Von Straßenansichten, undichten Stellen und den Abgründen der Provinz
wikiLeaks: blut und ehre
Dass es Abgründe hinter (verpixelten) Fassaden gibt,das war ja schon zu erwarten. Bei meiner letzten Wikileaks-Recherche traf ich auf eine neue Rubrik: bl* and h*-database
Dahinter verstecken sich Nazi-Chats, an die WikiLeaks - wie auch immer - herangekommen ist.
Das ganze ist gruselig: manchmal hat man das Gefühl, ganz "normalen" Chats beizuwohnen, mit allem, was dazugehört: smileys, die bekannten Abkürzungen. Es sind auch viele Sprachen vertreten, was das trügerische Gefühl von Internationalität verstärkt.
Wären da nicht so Ausdrücke wie "hail", "comrade", "kriegsflagge", "skinhead" und natürlich das ganze fragwürdige Zahlenspiel von "18" (wer es noch nicht weiß: 1 steht für "A" und 8 für "H". Ich möchte den Namen dieser fragwürdigen Person nicht hierein schreiben, am Ende werde ich darunter noch gegoogled. Wer immer noch auf der Leitung steht: die Person, die ganz Europa gefühlte 1000 Jahre lang ins Verderben" gestürzt hat), 88 (für heil diese Person) und 28 für die englische Übersetzung von Blut und Ehre.

Und dann ganz harmlose Konversationen:
Well done mate,i noticed it,thanks!Best regards from Hungary!. Oder einfach nur Weihnachtswünsche.
und was wir schon ahnten:
in der banalität, in der Alltäglichkeit, in der Austauschbarkeit liegt das Gefährliche. Der KZ-Kommandant, der abends seinen Kindern einen gute-Nacht-Kuss gibt und hinterher die "zauberflöte" von Mozart auflegt. Das zu visualisieren: Banalität und in ihr wohnende Perversion ist Ziel dieser neuen Bilder.
Das Konzept
Überlegung 1: Frei nach Goya: die Provinz gebiert Ungeheuer. Hinter "anständigen" Fassaden verbergen sich Abgründe
Überlegung 2: Die "romantische" Landschaft war gerade bei den Nationalsozialisten Projektionsfläche und soll dies hier auch sein
Überlegung 3: Nazi-Chats sind sprachlich zu den unseren partiell kompatibel - die gleichen Abkürzungen, Smileys - woran erkennt man den Unterschied?
die umsetzung
die im banalen inhärenten "besonderen" sätze wähle ich aus, versuche sie typographisch zu gestalten und in ihrer umgruppierung versuche ich so etwas wie eine poetik der perversion herauszustellen. diese kontrastriere ich mit völlig austauschbaren landschaften, die ich - in gewohnter weise - um screenshots aus google street view - gruppiere
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